Der Ursprung dieses Wortes führt nach Slowenien. Genauer gesagt in die Region Oberkrain – auf Slowenisch Gorenjska. Ein Landstrich im Norden des Landes, geprägt von den Ausläufern der Alpen, von Tälern, die sich nicht aufdrängen, und Dörfern, die eher gewachsen als geplant wirken. Wer von hier stammt, ist – ganz unspektakulär – ein Oberkrainer.
Doch wie so oft bleibt es nicht bei der reinen Geografie.
Denn Oberkrain ist keine Region, die laut geworden wäre. Sie hat sich nie in den Vordergrund gedrängt, keine großen Narrative entwickelt, keine weltpolitischen Spuren hinterlassen. Und vielleicht liegt genau darin ihre eigentliche Stärke: Sie liefert den Stoff für etwas anderes. Für Kultur, die nicht erklärt werden muss, weil man sie sofort versteht.
Irgendwann, in der Mitte des 20. Jahrhunderts, begann diese stille Herkunft, hörbar zu werden. Ein Musiker aus der Region, Slavko Avsenik, nahm das Lokale und machte daraus etwas, das sich exportieren ließ. Gemeinsam mit den Original Oberkrainer formte er einen Klang, der den Namen seiner Heimat gleich mitlieferte.
Von da an wurde es komplizierter.
Denn plötzlich kamen die „Oberkrainer“ nicht mehr nur aus Oberkrain. Sie kamen aus Österreich, aus Deutschland, aus Gegenden, die mit der eigentlichen Region wenig zu tun hatten. Und trotzdem stimmte es irgendwie. Weil sich der Begriff verschoben hatte. Weil er nicht mehr nur Herkunft meinte, sondern Haltung. Klang. Stil.
So entsteht eine merkwürdige Doppelbedeutung: Die echten Oberkrainer – die Menschen aus Gorenjska – und die musikalischen Oberkrainer, die sich an einem bestimmten Sound orientieren. Zwei Ebenen, die nebeneinander existieren, ohne sich zu widersprechen.
Vielleicht ist genau das das Interessante an der Frage nach der Herkunft. Sie lässt sich klar beantworten – und bleibt doch offen.
Ja, die Oberkrainer kommen aus einer Region im Norden Sloweniens. Aus einer Landschaft, die nicht laut ist, aber präzise. Und gleichzeitig kommen sie von überall dort, wo jemand ein Akkordeon nimmt, eine Melodie anstimmt und damit dieses eigenartige Gefühl erzeugt, das sofort nach Bergen klingt – selbst dann, wenn gerade gar keine da sind.
Herkunft ist in diesem Fall kein Ort mehr.
Sondern ein Klang.
